Anton Bruckners „Te Deum“ – „Für Engelszungen, Gottselige, gequälte Herzen und feuergeläuterte Seelen“

Eine wesentliche Inspirationsquelle Anton Bruckners war sein tiefverwurzelter katholischer Glaube. So hat er neben seinen Sinfonien zahlreiche geistliche Werke geschaffen. Schon zu Lebzeiten war sein „Te Deum“, welches 1881 entstanden und 1886 uraufgeführt wurde, ein durchschlagender Erfolg. Auch heute noch ist dieses Stück beim Publikum eines seiner beliebtesten Werke. Welche Bedeutung hatte das „Te Deum“ für Bruckner und was wollte er damit ausdrücken?

Michelangelo: „Die Erschaffung Adams“ im Deckenfresko der Sixtinischen Kapelle im Vatikan

Auch dem sonst so selbstkritischen Bruckner war die Bedeutung seines „Te Deums“ bewusst. So bezeichnete er es als „Stolz seines Lebens“ und verfügte sogar während er an seiner 9. Sinfonie arbeitete, das „Te Deum“ als Finalersatz zu verwenden, für den Fall, dass er die Vollendung des Werkes nicht mehr bewerkstelligen sollte. Da er kurz darauf tatsächlich verstarb und seine letzte Sinfonie unvollendet blieb, wird sie heute häufig entsprechend Bruckners Willen als Ersatz des 4. Satzes aufgeführt, was sicherlich zur Popularität des Werkes beitrug.

Nicht zuletzt ist die Verbreitung und der für Brucknerkompositionen ungewöhnliche sofort eintretende Erfolg auch seinen Schülern und Anhängern zu verdanken. Gustav Mahler war von dem Werk so begeistert, dass er in seinem eigenen Notenauszug den Untertitel „für Chor, Solostimmen, Orchester und Orgel“ durch „für Engelszungen, Gottselige, gequälte Herzen und feuergeläuterte Seelen“ ersetzte.

Das Stück, welches unter Hans Richter 1886 uraufgeführt wurde ist für Sopran, Alt, Tenor und Bass, einen vierstimmigen Chor, Orgel und Orchester geschrieben. Der Text „Te Deum laudamus“ („Wir loben Dich, oh Gott“) entstammt einem bekannten lateinischen Gebet, welches vor allem zu festlichen Anlässen wie Krönungen und Bischofsweihen genutzt wurde.

Die Wahl dieses Gebets und seine feierliche musikalische Umsetzung lässt sich aus der Entstehungsgeschichte erklären.  In Wien tobten heftige Grabenkämpfe zwischen den zahlreichen Brahms-Anhängern rund um den Musikkritiker Eduard Hanslick und Anhängern der Musikphilosophie Richard Wagners und Franz Liszts. Der sensible Bruckner galt spätestens seit der Widmung seiner 3. Sinfonie an Richard Wagner, als dessen Anhänger und drohte zwischen den Fronten zerrieben zu werden. (Mehr hierzu kannst Du auf der Anton-Bruckner-Themenseite unter „Schaffenszeit als Sinfoniker in Wien“ nachlesen.)

Zur Entstehungszeit hatte Bruckner jedenfalls seinen Platz in Wien gefunden und aus Dankbarkeit für die überstandene Zeit und als Zeichen seines Gottesvertrauens entstand die Idee des „Te Deums“. Bruckner verstand seine musikalische Begabung stets als Gabe Gottes, was auch ein Zitat über das „Te Deum“ unter Beweis stellt:

Wenn mich der liebe Gott einst zu sich ruft und fragt: „Wo hast du die Talente, die ich dir gegeben habe?“, dann halte ich ihm die Notenrolle mit meinem „Te Deum“ hin, und er wird mir ein gnädiger Richter sein.

Anton Bruckner über sein „Te Deum“

Ein musikalisches Gotteslob wie das „Te Deum“ ist in Folge dessen nicht überraschend.

Das Stück besteht aus fünf Teilen und gipfelt schließlich in einem grandiosen C-Dur-Finale, welches den tiefen Gottesglauben Bruckners mit den Worten „In Te, Domine, speravi, non confundar in aeternum.“ – „Auf Dich, oh Herr, habe ich gehofft, dass ich in Ewigkeit nicht vergehe*.“ ausdrückt.

1. Te Deum laudamus,
te Dominum confitemur
Te aeternum Patrem omnis terraveneratur.
1. Wir loben Dich, oh Gott,
wir preisen Dich, oh Herr,
Dir, dem ewigen Vater, huldigt das Erdenrund.
Tibi omnes Angeli, tibi caeli et universae potestates,
tibi Cherubim et Seraphim incessabili voce proclemant:
Sanctus, sanctus, sanctus, Dominus Deus Sabaoth.
Pleni sunt caeli et terra majestatis gloriae tuae.
Dir rufen alle Engel, Dir Himmel undMächte allesamt,
die Kerubim und die Serafim, mit niemals endender Stimme zu:
Heilig, heilig, heilig, der Herr, der Gott der Scharen.
Himmel und Erde sind voll von Deiner hohen Herrlichkeit.
Te gloriosus Apostolorum chorus,
te Prophetarum laudabilis numerus,
te Martyrum candidatus laudat exercitus.
Te per orbem terrarum
sancta confitetur Ecclesia.
Dich preist der glorreiche Chor der Apostel,
Dich der Propheten lobwürdige Zahl,
Dich der Märtyrer leuchtendes Heer,
Dich preist auf der ganzen Erde
die heilige Kirche.
Patrem immensae majestatis;
venerandum tuum verum et unicum Filium,
Sanctum quoque Paraclitum Spiritum.
Tu, rex gloriae, Christe, tu Patrissempiternus es Filius.
Dich, den Vater immenser Majestät;
Deinen wahren und einzigen Sohn,
Wie den Heiligen Geist.
Du, König der Herrlichkeit, Christus, des Vaters ewiger Sohn.
Tu ad liberandum suscepturus hominem
Non horruisti Virginis uterum.
Um den Menschen zu befreien,
Hast Du den Schoß der Jungfrau nicht verschmäht.
Tu devicto mortis aculeo,
Aperuisti credentibus regna caelorum.
Du hast des Todes Stachel besiegt,
Den Gläubigen die Reiche der Himmel geöffnet.
Tu ad dexteram Dei sedes, in Gloria Patris.
Judex crederis esse venturus.
Du sitzt zur Rechten Gottes, in der Herrlichkeit des Vaters.
Als Richter wirst Du, so glauben wir,einst wiederkommen.
2. Te ergo quaesumus
tuis famulis subveni,
Quos pretioso Sanguine redemisti.
2. Dich bitten wir denn:
Komm Deinen Dienern zu Hilfe,
Die Du mit kostbarem Blut erlöst hast.
3. Aeterna fac cum Sanctis tuis ingloria numerari.
3. In der ewigen Herrlichkeit zähle uns zu Deinen Heiligen.
4. Salvum fac populum tuum, Domine,
et benedic haereditati tuae.
Et rege eos, et extolle illos usque in aeternum.
Per singulos dies benedicimus te
Et laudamus nomen tuum in saeculum saeculi.
Dignare, Domine, die isto sine peccato nos custodire.
Miserere nostri, Domine, miserere nostri.
Fiat misericordia tua, Domine, super nos,
Quemadmodum speravimus in te.
4. Rette Dein Volk, oh Herr,
und segne Dein Erbe.
Und führe sie und erhebe sie bis in die Ewigkeit.
An jedem Tag preisen wir Dich
Und loben Deinen Namen in der ewigen Ewigkeit.
In Huld bewahre Du, oh Herr, uns an diesem Tag ohne Schuld.
Erbarme Dich unser, oh Herr, erbarme Dich unser.
Deine Barmherzigkeit, oh Gott, lass über uns geschehen.
Wie wir auf Dich gehofft haben.
5. In te, Domine, speravi,
non confundar in aeternum.
5. Auf Dich , oh Herr, habe ich gehofft,
dass ich in Ewigkeit nicht vergehe.

Viel Spaß beim Hören!

In diesem Sinne ¡hasta la vista, CulturaLista!

Anton Bruckner: „Te Deum“, Münchner Philharmoniker unter Sergiu Celibidache, 1982

* Das lateinische Verb „confundere“ hat eine Vielzahl an Bedeutungen. Es kann „zusammengießen“, „vermischen“, „verwirren“, „entstellen“, „aus der Fassung bringen“ und anderes bedeuten. Häufig wird es mit „nicht zu schande werden“ übersetzt. Um die christliche Unvergänglichkeit als eine der Kernaussagen des Gebets zu betonen, erfolgt hier die Übersetzung mit „vergehen“.

Teile diesen Beitrag!

Was meinst Du?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.