Alexander der Große und sein Pferd – Die Zähmung des Bukephalos

Bukephalos (latinisiert auch Bucephalus) war das berühmte Pferd Alexander des Großen, welches seinen Besitzer bis zu seinem Tod in allen seinen Schlachten begleitete. Schon in der Antike rankten sich zahlreiche Geschichten und Legenden um Alexanders treuen Begleiter. So berichtet Plutarch über die berühmte Zähmung durch den jungen Alexander.

Alexander und Bukephalos bei der Schlacht bei Issos
Alexander und Bukephalos bei der Schlacht bei Issos 333 v. Chr.

Alexander der Große

Alexander, welcher später den Beinamen “Der Große” verliehen bekam, wurde am 20. Juli 356 v. Chr. in Pella, am Hof seines Vaters Philipp II., dem König von Makedonien, geboren. Der Legende nach lässt sich sein Stammbaum väterlicherseits auf Herakles und mütterlicherseits auf Achill zurückführen. Wenn man den antiken Biographen Glauben schenken mag, war Alexander eine große Karriere also bereits in die Wiege gelegt.

Plutarchs Alexanderbiographie

Plutarch auf einer Darstellung aus dem Jahr 1768
Plutarch auf der Titelseite von “Auserlesene Moralische Schriften von Plutarch”, Füesslin, Zürich, 1768

Der antike griechische Schriftsteller Plutarch (*45 – † 125) ist Autor der bekannten Parallelbiographie “Alexander – Caesar”, welche Alexanders Lebenslauf erzählt. Beachtenswert ist dabei, dass Plutarch nicht den Anspruch hatte ein Geschichtsschreiber zu sein, sondern viel mehr ganz bewusst auch Legenden und Anekdoten zur Charakterisierung seiner Protagonisten verwendet. Am Anfang der Parallelbiographie “Alexander -Caesar” erklärt Plutarch:

Denn ich bin nicht Geschichtsschreiber, sondern Biograph, und es sind nicht immer die großen Heldentaten, in denen sich die Tugend oder die Verworfenheit offenbart. Oft sagt ein unbedeutender Vorfall, ein Ausspruch oder ein Scherz mehr über den Charakter eines Menschen aus, als die blutigsten Schlachten, die größten Heeresaufgebote oder die Belagerung von Städten. […]

So muss man es mir gestatten, dass ich mich mehr mit den kennzeichnenden seelischen Wesensarten befasse und daraus das Lebensbild eines jeden zeichne. Die großen Heldentaten und die Schlachten überlasse ich anderen.

Plutarch, Alexandros 1.1

Eine dieser Geschichten, welche Alexanders Charakter beschreiben soll, handelt von der Zähmung des Bukephalos.

Die Zähmung des Bukephalos nach Plutarch

Alexanders Vater Philipp war als Pferdeliebhaber bekannt und so ergab sich, dass ein Händler aus Thessalien am makedonischen Königshof erschien, um seine Pferde anzubieten. Er hatte auch ein edles, aber sehr störrisches und wild wirkendes Pferd dabei, welches sich von niemanden reiten ließ.

Dieses Pferd hieß Bukephalos, abgeleitet vom altgriechischen “βουκέφαλος – Ochsenköpfiger”, vermutlich auf Grund seines Brandzeichens.

Der junge Alexander muss von Bukephalos Erscheinung sofort begeistert gewesen sein. Plutarch berichtet:

Plut. Alex. 6.1
Ein Thessalier mit dem Namen Philoneikos bot Philipp den Bukephalos für 13 Talente zum Kauf an. Um das Pferd zu testen, ging man raus ins freie Gelände und da zeigte sich, dass es schwierig und gänzlich unbrauchbar war, da es niemanden reiten und sich von keinen von Philipps Leuten ansprechen lies, sondern sich immer aufbäumte, wenn ihm jemand zu nahe kam.
Plut. Alex. 6.1
ἐπεὶ δὲ Φιλονίκου τοῦ Θεσσαλοῦ τὸν Βουκεφάλαν ἀγαγόντος ὤνιον τῷ Φιλίππῳ τρισκαίδεκα ταλάντων κατέβησαν εἰς τὸ πεδίον δοκιμάσοντες τὸν ἵππον, ἐδόκει τε χαλεπὸς εἶναι καὶ κομιδῇ δύσχρηστος, οὔτε ἀναβάτην προσιέμενος οὔτε φωνὴν ὑπομένων τινὸς τῶν περὶ τὸν Φίλιππον, ἀλλ᾽ ἁπάντων κατεξανιστάμενος, δυσχεραίνοντος
Plut. Alex. 6.2
Also verlor Philipp die Geduld und befahl es wegzubringen, da es völlig wild und nicht zu zähmen sei.
Da sagte Alexander, der dabei war: “Was für ein Pferd geht da verloren, nur weil sie aus Unkenntnis und Weichheit nicht mit ihm umgehen können.”
Zuerst schwieg Philipp hierzu, als Alexander aber weiter sprach und sehr erregt war, sagte er: “Du willst Älteren Vorwürfe machen, als ob du besser Bescheid wissen würdest als sie und besser mit einem Pferd umgehen könntest?”
Plut. Alex. 6.2
δὲ τοῦ Φιλίππου καὶ κελεύοντος ἀπάγειν ὡς παντάπασιν ἄγριον καὶ ἀκόλαστον, παρὼν Ἀλέξανδρος εἶπεν: ‘οἷον ἵππον ἀπολλύουσι δι᾽ ἀπειρίαν καὶ μαλακίαν χρήσασθαι μὴ δυνάμενοι,’ τὸ μὲν οὖν πρῶτον ὁ Φίλιππος ἐσιώπησε: ‘ πολλάκις δὲ αὐτοῦ παραφθεγγομένου καὶ περιπαθοῦντος, ‘ἐπιτιμᾷς σύ,’ ἔφη, ‘πρεσβυτέροις ὥς τι πλέον αὐτὸς εἰδὼς ἢ μᾶλλον ἵππῳ χρήσασθαι’’
Plut. Alex. 6.3
“Mit diesem da würde ich schon besser zurecht kommen als sonst irgendjemand.”
“Wenn du es aber nicht schaffst, welche Strafe wirst du dann hinnehmen für deine vorlaute Art?”
“Dann werde ich wahrlich den Preis für das Pferd bezahlen!”
Alle lachten und als man sich über den Preis geeinigt hatte, lief Alexander sofort auf das Pferd zu, nahm es am Zügel und drehte es gegen die Sonne.
Er hatte offenbar bemerkt, dass es scheute, wenn es seinen Schatten vor sich fallen und bewegen sah.
Plut. Alex. 6.3
‘‘ δυνάμενος;’ ‘τούτῳ γοῦν,’ ἔφη, ‘χρησαίμην ἂν ἑτέρου βέλτιον.’ ἂν δὲ μὴ χρήσῃ, τίνα δίκην τῆς προπετείας ὑφέξεις;’ ‘ἐγὼ, νὴ Δί᾽,’ εἶπεν, ‘ἀποτίσω τοῦ ἵππου τὴν τιμήν’ γενομένου δὲ γέλωτος, εἶτα ὁρισμοῦ πρὸς ἀλλήλους εἰς τὸ ἀργύριον, εὐθὺς προσδραμὼν τῷ ἵππῳ καὶ παραλαβὼν τὴν ἡνίαν ἐπέστρεψε πρὸς τὸν ἥλιον, ὡς ἔοικεν, ἐννοήσας ὅτι τὴν σκιὰν προπίπτουσαν καὶ σαλευομένην ὁρῶν πρὸ αὐτοῦ διαταράττοιτο
Plut. Alex. 6.4
Dann lief er ein paar Schritte neben ihm her, streichelte es, und als er sah, dass es wieder feurig und temperamentvoll wurde, ließ er seinen Mantel behutsam fallen, sprang auf’s Pferd und setzte sich in Stellung. Zuerst hielt er es noch eine kurze Zeit lang zurück, indem er mit den Zügeln den Zaum leicht anzog.
Als er bemerkt, dass das Pferd seinen Widerstand aufgegeben hatte und jetzt heftig nach vorne drängte, gab er ihm die Zügel und ließ es laufen und trieb es durch lautes Anspornen noch weiter an.
Plut. Alex. 6.4
μικρὰ δὲ οὕτω παρακαλπάσας καὶ καταψήσας, ὡς ἑώρα πληρούμενον θυμοῦ καὶ πνεύματος, ἀπορρίψας ἡσυχῇ τὴν χλαμύδα καὶ μετεωρίσας αὑτόν ἀσφαλῶς περιέβη. καὶ μικρὰ μὲν περιλαβὼν ταῖς ἡνίαις τὸν χαλινόν ἄνευ πληγῆς καὶ σπαραγμοῦ , προσανέστειλεν 1 ὡς δὲ ἑώρα τὸν ἵππον ἀφεικότα τὴν ἀπειλήν, ὀργῶντα δὲ πρὸς τὸν δρόμον, ἐφεὶς ἐδίωκεν ἤδη φωνῇ θρασυτέρᾳ καὶ ποδὸς κρούσει χρώμενος.
Plut. Alex. 6.5
Philipp und seine Leute waren zunächst stumm und ängstlich. Als er aber elegant mit dem Pferd wendete und stolz und glücklich zurückgeritten kam, jubelten ihm alle zu und sein Vater soll Freudentränen vergossen haben.
Nachdem sein Sohn vom Pferd gestiegen war küsste er ihn und sagte: “Mein Sohn, suche dir ein Reich, das deiner würdig ist; denn Makedonien ist zu klein für dich.”
Plut. Alex. 6.5
τῶν δὲ περὶ τὸν Φίλιππον ἦν ἀγωνία καὶ σιγὴ τὸ πρῶτον ὡς δὲ κάμψας ἐπέστρεψεν ὀρθῶς σοβαρὸς καὶ γεγηθώς, οἱ μὲν ἄλλοι πάντες ἠλάλαξαν, ὁ δὲ πατὴρ καὶ δακρῦσαί τι λέγεται πρὸς τὴν χαράν, καὶ καταβάντος αὐτοῦ τὴν κεφαλὴν φιλήσας, ‘ὦ παῖ,’ φάναι, ‘ζήτει σεαυτῷ βασιλείαν ἴσην Μακεδονία γάρ σε οὐ χωρεῖ’

Alexander und Bukephalos -Leben und Tod

Alexander der Große bei der Jagd
Alexander der Große (auch als Hephaistion identifiziert) bei der Jagd, Ausschnitt aus dem sogenannten Alexandersarkophag, Archäologisches Museum in Istanbul; Foto: Giovanni Dall’Orto 28-5-2006. Scena di caccia (dettaglio)

So kam also Alexander zu seinem berühmten Schlachtross, welches es ihn seither bei der Jagd und später bei seinen Feldzügen begleitete. Alexander wird grundsätzlich als Pferdenarr beschrieben und soll sein Pferd Bukephalos wie einen Freund geliebt haben. Es wird erzählt, dass er der einzige blieb, der es reiten konnte und durfte.

Zu Rasse, Geschlecht und Farbe gibt es keine eindeutigen Überlieferungen, und auch um seinen Tod ranken sich verschiedene Versionen. Relativ klar ist, dass Bukephalos für ein Pferd sehr alt geworden ist und während der Schlacht am Hydaspes, im heutigen Pakistan, den Tod fand.

Einige Chronisten berichten, dass er im gleichnamigen Fluss Hydaspes ertrunken sei. Bei Plutarch werden zwei weitere Theorien aufgestellt:

Diese Schlacht [am Hydaspes, C.L.] gegen Poros kostete auch Bukephalos das Leben; er starb jedoch nicht auf dem Schlachtfeld, sondern, wie die meisten berichten, erst danach bei der Behandlung seiner Wunden.

Onesikritos dagegen sagt, Bukephalos sei an Altersschwäche gestorben und dass er schon dreißig Jahre alt gewesen sein soll.

Plutarch, Alexandros 61

Ob Bukephalos nun ertrunken, an seinen Wunden aus der Schlacht, oder an Altersschwäche gestorben ist, bleibt also offen.

Gewiss ist, dass Alexander zu Ehren seines geliebten Pferdes eine prunkvolle Beerdigung abhalten lies und eine Gedenkstätte sowie eine Stadt mit dem Namen Alexandreia Bukephalos gründete, welche heute als Jhelam bezeichnet wird. Bukephalos zählt heute noch zu den bekanntesten Pferden der Antike.

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